Rauchfrei - Tage und Ersparnis, seitdem ich aufgehört habe zu rauchen.

…so viele Tage sind nun schon vergangen, seit dem ich aufgehört habe zu rauchen. Doch nicht nur die Zahl 123 (um genau zu sein 4 Monate 2 Tage 10 Stunden und 59 Minuten) zeigt mir mein Handy in diesem Moment an, sondern auch dass ich seit dem 28.11.2015 ganze 493,83€ eingespart habe, 1975 Zigaretten nicht geraucht habe und in der Spalte ,,Avoided Toxin“ steht die Ziffer 19,7533g, die für den Teer steht, welcher nicht in meinen Atmungsapparat inhaliert wurde.

Wenn ich das so betrachte, bin ich doch ein wenig schockiert, schockiert darüber, was ich die letzten, fast 6 Jahre meinem Körper zugemutet habe. Zum Glück sagt mir die App „Quit it“ neben den ganzen Zahlen auch, was ich durch das Aufhören schon gesundheitlich erreicht habe. Mein Blutdruck und Pulse befinden sich im Normalbereich, sowie auch die Temperatur meiner Hände und Füße. Außerdem ist mein Kohlenstoffmonoxid Level gesunken und mein Sauerstoffwert auf den natürlichen Wert gestiegen. Was ich recht amüsant fand, war das „Achievement“: Better breath. Your smoker’s breath disappears. Kissing is fun again. Hatte in der Zwischenzeit leider noch niemanden zum Testen (nicht dass Küssen bisher keinen Spaß gemacht hat..obwohl für die Nichtraucher vielleicht weniger haha) , aber ich glaube, jetzt als Nichtraucher fällt einem dann doch erst richtig auf, wie sehr man doch mal gestunken hat. Desweiteren behauptet die App, meine Blutzirkulation verbessere sich und meine Lungenfunktion sei bereits gestiegen (na das will ich doch auch hoffen).

Andere Symptome wie Husten, verstopfte Nase, Müdigkeit und Kurzatmigkeit seien am verschwinden (das kann ich definitiv bestätigen – wäre auch echt blöd, wenn nicht). Das waren die bereits 100% vollendeten und erreichten Punkte. Darunter stehen dann aber die Dinge, die noch in der „Bearbeitung“ bzw. Kurierphase sind. Ich habe bereits 34% davon abgeschlossen, dass mein Risiko eine Koronaren Herzerkrankung  zu erleiden um die Hälfte reduziert ist. Abgeschlossen ist das erst in 7 Monaten 28 Tagen und 13 Stunde. Bis mein Risiko an Lungenkrebs zu erkranken um die Hälfte sinkt, dauert es noch ganze 4 Jahre, 7 Monate und 28 Tage (7% sind abgeschlossen). Und ganze 14 Jahre, 7 Monate und 28 Tage wird es noch dauern, bis das Risiko, ein Herzinfarkt zu bekommen, dem eines Nichtrauchers gleicht.

Und wieder: Sehe ich diese Zahlen muss ich ganz schön schlucken. Während man raucht, ist einem das gar nicht so bewusst. Man sagt sich zwar immer, die Risiken seien einem bekannt, man weiß, dass Rauchen nicht gesund sei, und diese dummen Sprüche oder gar Fotos auf den Zigarettenschachteln seien total unnötig. Sind sie auch irgendwie, weil solange man raucht, blockt meines Erachtens das Bewusstsein den größten Teil ab, man müsste sich ja sonst wirklich gestehen, dass man sein Leben aktiv um Lebensenergie, Zeit und Gesundheit beschneidet, und wer will sich das schon eingestehen? Ich habe immer ganz stolz behauptet „Ich rauche eh um zu Sterben“. Irgendwie fand ich das immer sehr poetisch und irgendwie besser als „Ja ich weiß, ich tue meinem Körper nichts Gutes und ich werde schon irgendwann die Konsequenzen spüren“. Im Nachhinein ist das einfach nur bescheuert :D

Das Witzigste ist, genau wie ich mir vor 4 Monaten und 3 Tagen niemals hätte vorstellen können, aufzuhören, so kann ich es mir derzeit echt nicht mehr vorstellen zu rauchen. Beispielweise gerade hier während meiner Zeit in Afrika, das Rauchen bzw. der Drang und der Zwang zu Rauchen hätten mich so eingeschränkt, in dem was ich tue. Letzten Sommer habe ich noch bei fast 40 Grad nicht auf Kippen verzichten können, nun denke ich mir, oh mein Gott wie konnte ich nur, ich gehe ja jetzt schon ohne Kippe fast ein. Außerdem die verstopfte Nase. Bisher war es immer so, dass sobald ich eine verstopfte Nase hatte, dachte ich mir immer, scheiße, ich sollte mal mehr wertschätzen, wenn meine Nase nicht verstopft ist, irgendwie nimmt man das immer so als normal und selbstverständlich hin. Seit ich nicht mehr rauche… brauch ich darüber gar nicht mehr nachzudenken, denn seit August hatte ich keine verstopfte Nase mehr (wahrscheinlich bekomme ich heute Nacht eine, weil ich jetzt daran gedacht und darüber geschrieben habe haha).

Der ein oder andere fragt sich jetzt vielleicht WIE?

Im Englischen gibt es einen schönen Begriff, nämlich cold turkey. Etwas abrupt aufhören, ohne „Entwöhungsphase“ oder auch mit kaltem Entzug zu übersetzen. Das trifft es in meinem Fall ziemlich gut auf den Punkt. Einen Abend zu viel getrunken, zu viel geraucht (viele kennen das wahrscheinlich, die beiden Dinge gehen häufig miteinander einher). Am nächsten Morgen aufgewacht und echt fast den ganzen Tag einfach nur ausgekater (war ein Samstag). Sonntags dann mit meiner Familie verbracht und auch nicht geraucht, montags gings dann zurück von Frankfurt nach München. Ich wusste, Freitags würde ich wieder nach Frankfurt fahren, abends mit Freunden ausgehen und zwangsläufig wieder rauchen. Nach zwei Tagen Nichtrauchen stellte ich mir dann aber die Challenge, bis Freitags zu versuchen, nicht zu rauchen. Das schaffte ich auch, trotz meiner ganzen Freunde und Kommilitonen, die um mich herum gequalmt haben. Für mich, als überwiegenden „Wegraucher“, wie ich das immer gerne nenne, war es echt nicht so leicht, die Strecken Zuhause- Ubahn-Uni-Ubahn-Supermark-Zuhause-Sport-Zuhause ohne Fluppe zu meistern, aber ich habe es geschafft. Der Freitag rückte näher und nachdem ich meine Challenge geschafft hatte, war ich bereit mir die nächste Challenge zu stellen. Dabei kam mir immer noch nicht in den Sinn, dass das der Anfang vom Ende meiner Raucherkarriere sein würde. Die nächste Challenge hieß, den Abend, umzingelt von Alkohol und Rauchern ,und somit Zigaretten, ohne zu Rauchen zu meistern. Ich weiß nicht, seit wann das der erste Ausgehabend war, an dem ich das Haus ohne eine Schachtel Zigaretten verließ, so weit war es schon gekommen. Naja und auch diese Challenge bestand ich, so wie auch das Wochenende und die Woche(n) danach usw.

123, die Zahl bedeutet jedoch nicht, dass ich seit dem keine einzige Zigarette mehr angefasst habe. Es gab zwei Abende, an denen ich nochmal an einer Zigarette gezogen habe- davon wurde mir dann direkt mega schlecht, wodurch das Verlangen wieder komplett verschwunden ist. Ansonsten kann ich einfach nur sagen, dass ich so dankbar über das bin, was auch immer es war, das mir mein Verlangen genommen hat. Noch im Dezember, als ich meinen Afrikatrip angefangen habe zu planen, sagte ich meiner Mutter, dass ich mit dem Gedanken spiele, eventuell während der 8 Wochen hier auf das Rauchen zu verzichten und erzählte ihr, dass ich mir vielleicht für die Entwöhnung Nikotinpflaster besorge wollte. Daraus entwickelte sich ein ziemlicher Streit am Telefon (ich habe es noch genau vor Augen, wie ich in der Uni zwischen zwei Vorlesungen hin und her getigert bin, während ich wutentbrannt bin ihr diskutierte). Ich war so sehr darüber genervt, dass sie es nicht als Fortschritt ansah, dass ich überhaupt mit dem Gedanken spielte, während dieser Zeit das Rauchen sein zu lassen, sondern mir direkt reindrücken musste, dass ich mir mit Nikotinpflastern nur was vormachen würde. Ich würde das eine Gift mit einem anderen Gift (quasi ja das selbe Gift aber in einer anderen Form eben) ersetzen. Im Nachhinein kann ich ihr (wie das eben so häufig bei Müttern, jedenfalls bei meiner Mutter so ist) nur recht geben. Aber zu der Zeit hätte ich mir niemals ein Leben ohne meine „stress releasing“ Zigarette, meine „chill“ Zigarette oder meine „dieser Moment ist so schön, darauf jetzt ne Zigarette“ Zigarette vorstellen können.

Ich glaube, so wie ich das auf der Seite wieso vegan erläutert habe, dass Zeit ein großer Faktor ist. Man kann nichts erzwingen, wofür man nicht bereit ist. Denn dann ist auch das Rückfallrisiko viel viel größer. Ich sage nicht, dass ich nie mehr an einer Zigarette ziehen werde, ich muss mich auch vor niemanden außer mir selbst rechtfertigen (ein Glück) aber je mehr ich mir bewusst mache, wie sehr ich meinem Körper bisher schon Schaden zugefügt habe und durch das Inhalieren der Zigarette nunmal ein Nervengift in den Körper gelangt, desto weniger habe ich das Bedürfnis danach. Klar, manchmal wenn ich Fotos mit Zigarette sehe, kommt diese Gefühl des „Ich will ein Rebell sein“ und eben dieses Gefühl der Raucher-„Lässigkeit“ wieder auf, aber damit werde ich wohl den Rest meines Lebens leben müssen. Meine Mutter hat mir vor einiger Zahl mal erzählt, dass sie manchmal noch davon träume, plötzlich eine Zigarette zu rauchen und wieder abhängig zu sein, was für sie der größte Alptraum wäre. Ich für meinen Teil habe jedoch durch meine Rauch- „Zwischenfälle“ gemerkt, wie sehr es mich in meinem Nichtraucherdasein bestärkt hat, dass ich glücklicherweise diese Angst des Rückfalls (noch) nicht verspüre. Ich bin gespannt wie es damit weiter gehen wird. Irgendwie musste ich einfach diesen Post schreiben (vor allen anderen,keine Sorgen ein Update übers Osterwochenende sowie das Kräckerrezept kommen noch), um es für mich selber schwarz auf weiß zu haben, da ich es an manchen Tagen immer noch nicht ganz realisiere.

Jedem, der mit dem Gedanken spielt, die Nikotinsucht abzulegen, dem wünsche ich ganz viel Willenskraft aber auch den Mut, einfach Loszulassen. Irgendwie hat das bei mir geklappt.

Lxx